Was hat Macht mit Berührung zu tun, oder umgekehrt, was hat Berührung mit Macht zu tun? Mein Bauriss hätte auch den Titel tragen können „Die Kraft der Berührung“ oder „Kommunikation durch Berührung“. Bekanntlich gibt es ja verschiedene Arten, wie Menschen untereinander kommunizieren. Am häufigsten sicher durch die Sprache.
Wenn ich also diese Art der Kommunikation als Thema für meinen Bauriss gewählt hätte, dann würde der Titel lauten „Die Macht des Wortes“ und in dieser Kombination ist ein Zusammenhang viel schneller ersichtlich. Doch bewusst habe ich die Berührung als Thema gewählt, denn im Gegensatz zum gesprochenen Wort machen wir uns darüber eher weniger Gedanken.
Schreiten wir also zur Tat.
Verschiedene Arten von Berührung haben ja auch in der Freimaurerei einen gewissen Stellenwert, so z. Bsp. Die Bruderkette oder der Bruderkuss. Bewusst will ich meinen Bauriss nicht auf diese Themen reduzieren, sondern möchte verschiedene Arten von Berührungen, oder genauer gesagt, deren Macht aufzeigen. Genauso bewusst will ich aber alle Arten von erotischen Berührungen in meinen Ausführungen ausschliessen. Was ich auch nicht mit der Macht der Berührung meine, sind die elektrischen Entladungen, wenn zwei Menschen sich berühren.
Als eher logisch denkender Mensch möchte ich eine gewisse Ordnung in meinen Bauriss bringen und beginne daher zuerst mit einer Art Inhaltsverzeichnis.
Folgende Arten von Berührungen möchte ich näher beschreiben, und zwar immer aus meiner Sicht:
Den Handschlag
Auf die Schulter klopfen
Den Arm um die Schulter legen
Die Umarmung
Über den Kopf fahren
Die Ellbogen „ausfahren“
Die Ohrfeige
Den Faustschlag
Bereits aufgrund dieser Aufstellung können wir erahnen, dass eine Berührung sowohl das Wort ergänzen kann, aber auf der anderen Seite auch das Wort ersetzen kann. Doch mehr dazu bei den einzelnen Themen.
Der Handschlag (oder der Händedruck).
Die wohl häufigste Art von Berührung, und zwar mit uns vertrauten wie auch mit wildfremden Menschen. Beginnen wir mit den fremden Menschen. Auf irgendeinem Anlass treffen wir uns bis dahin unbekannte Personen. Wir können wortlos und erst noch ohne Blickkontakt an ihnen vorbeigehen und demonstrieren damit, dass wir ja nichts mit ihnen zu tun haben möchten. Oder wir stellen uns der Begegnung, halten aber die Hände im Rücken verschränkt nach dem Motto „Hallo sagen ja, die Hand geben nein“. Noch viel schlimmer, wenn uns unser Gegenüber bereits die Hand entgegenstreckt und wir den Händedruck aber verweigern.
Was denken wir, wenn uns so etwas passiert? Habe ich Pickel, hat mich mein Deo verlassen oder bin ich dieser Person so unwichtig, dass sie es nicht einmal für nötig empfindet, mir die Hand zu reichen? Und genau das meine ich mit „Die Macht der Berührung“. Ein verweigerter Handschlag kann uns tief verletzen, eine entgegengestreckte Hand kann uns aber auch zeigen „du bist herzlich willkommen und ich freue mich, dich kennen zu lernen“. Und wenn das Ganze auch noch ausgesprochen wird, so verstärkt das Wort die Berührung, oder umgekehrt, die Berührung das Wort.
Eine sogenannte Berührung kann das Wort aber auch ersetzen.
Bsp.: Wir streiten uns mit einem guten Freund. Anstatt in unendlicher Diskussion den eigenen Standpunkt zu verteidigen wäre es doch manchmal viel sinnvoller, einfach wortlos die Hand hinzustrecken. Diese Geste ist übrigens sehr entwaffnend und zwingt das Gegenüber im wahrsten Sinne des Wortes ebenfalls „Hand zu bieten“.
Die Begrüssung durch Händedruck unter Bekannten oder Freunden. Diese wird noch verstärkt, wenn wir gleichzeitig den Oberarm oder die Schulter des Anderen festhalten. Somit drücken wir ohne viel Worte aus „es freut mich ganz besonders, dich zu sehen“.
Nicht nur bei einer Begrüssung hat der Handschlag seine Bedeutung, sondern auch bei einer Gratulation. Da ist er sogar fester Bestandteil des Rituals.
Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt in Zusammenhang mit dem Handschlag. Zu einem Handschlag gehört unbedingt ein gleichzeitiger Augenkontakt. Ohne diesen verkümmert ein Handschlag zu einer reinen Höflichkeitsgeste. Ich denke dann „Er reicht mir zwar die Hand, wie er sie jedem reicht, doch er würdigt mich keines Blickes“. Und noch etwas: ein Händedruck, sofern es die Situation erlaubt, darf ruhig etwas länger als eine halbe Sekunde dauern.
Auf die Schulter klopfen.
Bereits schon die Worte „das hast du gut gemacht“ sind Zeichen der Anerkennung und motivieren extrem. Das gleichzeitige „auf die Schulter klopfen“ verstärkt diese Aussage um ein Vielfaches.
Eine weitere schöne Art des Schulterklopfens finden wir übrigens auch bei den „Schwingern“. Nach einem Durchgang wischt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl ab, indem er ihm auf die Schulter klopft.
Den Arm um die Schulter legen.
Im Gegensatz zum Schulterklopfen dauert diese Art der Berührung meistens etwas länger und hat in meinen Augen eine grosse Macht.
Stellen wir uns vor, wir sind traurig und dann legt ein Freund ohne viel Worte seinen Arm um unsere Schulter. Er zeigt uns damit: „ich verstehe dich, ich bin für dich da, ich halte auch in schwierigen Zeiten zu dir, ich gebe dir Halt“.
Selbstverständlich können wir aber auch unseren Arm um die Schulter eines anderen legen, wenn dieser nicht traurig ist. In beiden Fällen demonstriert diese Art der Berührung ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, sowohl dem Anderen gegenüber wie auch nach aussen. Erinnern wir uns doch an all die Siegerfotos. Da stehen die einzelnen Teammitglieder nicht nur einfach nebeneinander, sondern jeder legt seinen Arm um die Schulter des anderen und alle drücken damit aus „gemeinsam sind wir stark“.
Die Umarmung.
Die Umarmung ist eine sehr eindrückliche Art, um Gefühle auszudrücken. Wer kennt nicht den Ausspruch „ich bin so glücklich, ich könnte die ganze Welt umarmen“. Dieser Satz zeigt, dass die Umarmung für uns eine ganz spezielle Bedeutung hat. Wir umarmen uns zum Abschied, wir umarmen uns zur Begrüssung, mit einer Umarmung spenden wir Trost, teilen wir die Freude mit einem Anderen. Das alles könnten wir auch nur mit Worten tun, aber mal ehrlich – was bewegt uns mehr bei der Heimkehr nach einer langen Reise: ein freundliches „hallo und schön, dass du wieder da bist“ oder die ausgestreckten Arme und eine kräftige Umarmung?!
Über den Kopf fahren.
Wie geben wir unserer Freude Ausdruck bei einem Kind? Wir streichen ihm liebevoll über den Kopf. Diese bei uns absolut gebräuchliche Geste ist aber z. Bsp. in Thailand verpönt, denn dort gilt der Kopf als heiligste Körperregion und man sollte also niemals absichtlich einen Thailänder am Kopf berühren, erst recht keine Kinder.
Jetzt möchte ich noch die eher negativen Arten von Berührungen streifen und beginne mit
Die Ellbogen „ausfahren“.
Fünf Minuten vor Ladenschluss will ich dringend noch etwas einkaufen. Zeit dazu hätte ich auch tagsüber gehabt, doch da hatte ich Wichtigeres zu tun. Was mache ich also, um im Gedränge besser vorwärts zu kommen? Genau, ich fahre meine Ellbogen aus, denn meine Einkäufe sind sicher wichtiger als die der Anderen und überhaupt habe ich ja immer Vortritt.
Und noch eine weitere Art der Berührung, mit der ich „vermeintliche“ Macht ausdrücken kann.
Die Ohrfeige.
Bei einer Ohrfeige ist es nicht der Schmerz, der uns weh tut, sondern es ist vielmehr die Demütigung, die uns der Ohrfeiger zufügt. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer „verbalen Ohrfeige“, einer „schallenden Ohrfeige“ oder einem „Schlag ins Gesicht“.
Früher wurde die Ohrfeige vor allem als erzieherisches Mittel gebraucht, so z. Bsp. von Eltern und Lehrern. Seit dem Jahre 2000 ist die Ohrfeige übrigens in Deutschland verboten.
Eine noch stärkere Art, seiner Macht Ausdruck zu verleihen, ist der Faustschlag. Der Gebrauch der Fäuste zeugt jedoch meistens von einer Unmacht oder Ohnmacht. Mit einem Faustschlag, also mit einer sehr unsanften Art der Berührung, kann ich durchaus Macht zeigen. In Wirklichkeit zeige ich aber nur, dass ich nicht in der Lage bin, mich verbal zu behaupten und als einzigen Ausweg noch den Einsatz der Faust sehe.
Ich möchte nicht mehr weiter auf diese negativen Arten von Berührungen eingehen, denn wie wir im ersten Teil erfahren haben, gibt es eine Vielzahl von positiven Berührungen, die wirklich eine grosse Macht haben.
Zum Schluss noch ein wichtiger Punkt. Egal ob Händedruck, Umarmung oder Schulterklopfen – eine Berührung muss von Herzen kommen, denn nur dann wirkt sie echt und kann ihre Macht entfalten.
Ich hoffe, es ist mir gelungen, euch dazu anzuregen, einmal etwas tiefer über Berührungen und deren Macht nachzudenken und gleichzeitig möchte ich euch auffordern, in Zukunft anstelle von Worten einfach einmal eine Berührung sprechen zu lassen.
F.